Startseite: Blog Tec-Trends > Hardware > SSD-Festplatten defragmentieren: Sinnvoll oder nicht?

SSD-Festplatten defragmentieren: Sinnvoll oder nicht?

Bei PCs oder Notebooks mit klassischem Festplattenlaufwerk gehörte die Defragmentierung zu den regelmäßigen Optimierungsaufgaben. Bei diesem Vorgang räumt das Betriebssystem (Windows, Linux usw.) den Magnetspeicher dergestalt auf, dass zusammengehörende Dateifragmente nahe beieinanderliegen oder sogar zusammenhängend und am Stück gespeichert werden. Dies sorgt für schnellere Zugriffsgeschwindigkeiten der Festplatte, weil die Schreib-Leseköpfe keine weiten Wege zurückzulegen brauchen. Doch ist auch das Defragmentieren eines SSD-Laufwerks notwendig oder sinnvoll? Wir erklären Ihnen in diesem Beitrag, warum Sie dies besser nicht tun sollten.

ssd festplatte defragmentieren

Oleksandr_Delyk/shutterstock.com

SSD-Festplatten defragmentieren: Lieber nicht!

Ein SSD-Laufwerk basiert auf rein elektronischem Flash-Speicher, d. h. es kommen keine beweglichen und mechanischen Elemente zum Einsatz. Dies erklärt bereits den Geschwindigkeitszuwachs gegenüber einer herkömmlichen HDD-Festplatte. Dem Laufwerkscontroller einer SSD ist es „egal“, von bzw. an welchen Stellen des verfügbaren Flash-Speichers die angeforderten Dateien gelesen oder geschrieben werden sollen – der Schreib- oder Lesevorgang ist immer gleich schnell. Von daher ist eine Defragmentierung eines SSD-Laufwerks kaum sinnvoll.

Aber es kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, warum man das Defragmentieren einer SSD-Festplatte besser unterlassen sollte. SSDs erlauben nämlich nur eine maximale Anzahl von Schreibzugriffen – diese Angabe kann man auch dem Datenblatt des jeweiligen Laufwerks entnehmen. So kann z. B. eine Crucial BX200 (240 GB) höchstens 72 TB schreiben, das entspricht etwa 65 GB pro Tag. Das bedeutet, dass ein kompletter Defragmentierungsdurchgang, bei dem sämtliches Datenvolumen auf der SSD-Festplatte neu organisiert wird, die Lebensdauer dieser SSD um etwa drei bis vier Tage verkürzt.

Wie optimiert Windows 10 ein SSD-Laufwerk?

Aus oben genannten Gründen deaktiviert Windows 10 das regelmäßige Defragmentieren automatisch, sobald im System eine SSD-Festplatte gefunden wird. Aber dennoch findet man in der Systemsteuerung bei den Laufwerkseigenschaften eine Funktion zur Laufwerksoptimierung. Doch wie funktioniert diese? Windows optimiert flashbasierte Laufwerke anders als herkömmliche HDD-Festplatten. Der Optimierungsvorgang umfasst außer der Defragmentierung auch vielfältige andere Optionen, die die Geschwindigkeit von Schreibzugriffen erhöhen können. Statt einer Defragmentierung verwendet Windows 10 den so genannten TRIM-Befehl.

Bei diesem Vorgang zeigt das Betriebssystem dem Laufwerk an, welche Dateien durch Windows gelöscht wurden. Diese müssen dann nicht mehr umkopiert werden, wenn der Laufwerkscontroller den Flash-Speicher aufräumt – mit dem Ergebnis, dass die Schreibgeschwindigkeit steigt. Der TRIM-Befehl stellt somit die Schnittstelle zwischen dem Windows-Dateisystem (NTFS) und der Block-Anordnung der Speicheradressen des SSD-Laufwerks dar.

Sobald der Flash-Speicher als SSD-Laufwerk richtig erkannt wird, wendet Windows die richtige (und schonende) Optimierung für den Speicher an. Dies funktioniert im Einzelnen so, dass ein spezieller ATA-Befehl an die SSD geschickt wird, mit dem (hier fälschlicherweise) die Umdrehungsgeschwindigkeit der Festplatte abgefragt wird. Das SSD-Laufwerk antwortet dann korrekterweise, dass es sich um kein sich drehendes Speichermedium handelt.

Sollten Sie allerdings in den Laufwerkseigenschaften der Windows-Systemsteuerung entdecken, dass eine SSD als HDD-Festplatte falsch erkannt wurde, sollten Sie umgehend die Firmware des SSD-Laufwerks aktualisieren.

Wie erkennt man, ob das SSD-Laufwerk optimal unterstützt wird?

SSD-Laufwerke speichern auch „leere“ Speicherbereiche, also Adressen, die aus Sicht des Betriebssystem keine Daten enthalten. Durch die bereits erwähnten TRIM-Befehle wird der SSD-Festplatte mitgeteilt, welche Bereiche wieder für Schreibzugriffe freigegeben sind. Auf diesem Weg werden unnötige Schreibzugriffe vermieden, was die Lebensdauer der SSD deutlich erhöht. Doch wie erkennt man, ob TRIM aktiv ist? Hierzu geht man folgendermaßen vor:

  1. Öffnen Sie eine Eingabeaufforderung mit Administrator-Rechten.
  2. Dort geben Sie nun folgenden Befehl ein: fsutil behavior query DisableDeleteNotify
  3. Wenn Sie als Rückmeldung DisableDeleteNotify = 0 erhalten, ist TRIM aktiviert, bei DisableDeleteNotify = 1 ist TRIM ausgeschaltet. Dies können Sie ändern, indem Sie mit fsutil behavior set disablenotify 0 die TRIM-Unterstützung aktivieren.

Ist das Anlegen einer Auslagerungsdatei auf SSD-Laufwerken sinnvoll?

Windows lagert Teile des Arbeitsspeichers (RAM) in eine Auslagerungsdatei aus (virtueller Arbeitsspeicher), sobald der Arbeitsspeicher nahezu vollständig durch Programme und Betriebssystem belegt sind. Dies verlangsamt das Gesamtsystem, da die Zugriffe auf den Flash-Speicher einer SSD (und erst recht einer herkömmlichen Festplatte) eben doch um einiges langsamer sind als der direkte RAM-Zugriff. Trotzdem kann dieses Verfahren den Start von speicherhungrigen Anwendungen (z. B. Videoschnitt-Programmen) überhaupt erst ermöglichen, wenn nicht genügend RAM zur Verfügung steht.

Wenn allerdings sehr viel Arbeitsspeicher zur Verfügung steht (und deshalb kein virtueller Speicher benötigt wird), kann das Abschalten der Nutzung einer Auslagerungsdatei auch zur Lebensdauerverlängerung einer SSD-Festplatte beitragen, weil dadurch viele unnötige Schreibzugriffe auf die SSD vermieden werden. Das Deaktivieren der Auslagerungsdatei funktioniert folgendermaßen:

  1. Drücken Sie die Tastenkombination „Windows-Taste“ + „R“ und geben dort sysdm.cpl ein.
  2. In dem nun erscheinenden Tool rufen Sie den Reiter „Erweitert“ auf. Im Teil „Leistung – Visuelle Effekte, Speichernutzung und virtueller Speicher“ wählen Sie den Punkt „Einstellungen“.
  3. Nun wählen Sie wiederum den Reiter „Erweitert“ aus. Jetzt sehen Sie das Fenster zur Verwaltung des virtuellen Arbeitsspeichers.
  4. Entfernen Sie das Häkchen „Auslagerungsdateigröße für alle Laufwerke automatisch verwalten“ und geben im unteren Teil an, dass Sie keine Auslagerungsdatei verwenden möchten. Zum Schluss schließen Sie alle Fenster mit „OK“ und starten Sie Windows neu.

Ein angenehmer Nebeneffekt dieses Vorgehens ist, dass Ihnen der zuvor durch die Auslagerungsdatei belegte Speicherplatz (unter Umständen mehrere GB) jetzt zur Verfügung steht.

Ein Kommentar

  1. Aus persönlicher Erfahrung kann ich die Verwendung von NTFS Recovery https://www.diskinternals.com/ntfs-recovery/ empfehlen. Ich arbeite dieses Programm immer mit Festplattenpartitionen auf einem PC durch. Und vielen Dank für den informativen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.